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Erster Schultag für jugendliche Flüchtlinge in Heiligenstadt

Heiligenstadt (Eichsfeld). Ihr erster Schultag am Dienstag an der Bergschule St. Elisabeth, Staatlich anerkannte katholische berufsbildende Schule, hatte mit Sport begonnen. Das fanden sie gut. Erwartungsvoll sitzen die Jungen nun im Musikraum.

Der Unterricht in den Fächern Deutsch, Mathematik, Sport und Musik wird ab sofort ihren Tagesablauf bestimmen. Musik als Unterrichtsfach deshalb, weil auch Liedtexte guten Zugang zu einer Sprache bieten, „nicht nur das Lernen von Vokabeln“, ist Jutta Müller, die stellvertretende Schulleiterin, überzeugt. Insgesamt dreißig geflüchtete Jugendliche wohnen seit Ende 2015 in Heiligenstadt, im Kinderkurheim in der Cranachstraße, und in der Villa Lampe, außerdem in Ershausen und in Günterode. Doch ihre Heimatländer sind Syrien, Afghanistan, Pakistan. Im offiziellen Sprachgebrauch sind sie „minderjährige unbegleitete Flüchtlinge“. Und es sind, so hat Schulleiterin Gabriele Sachse sie kennengelernt, „sehr höfliche, freundliche Jungen, die lernen wollen und sich auf die Schule freuen.“

Der bisherige Bildungsstand reicht von der Abiturstufe, guten Englischkenntnissen und dem Wunsch zu studieren bis hin zu Analphabeten, die ihren Namen und ihr Geburtsdatum (noch) nicht schreiben können. Deshalb hat die Schulleiterin, die mit ihrem Pädagogenteam die neue Herausforderung als „sehr, sehr spannend“ charakterisiert, zwei Klassen eingerichtet, „nach Vorkenntnissen“. Jetzt erklärt sie, mit Pater Meinolf von Spee, Pädagoge an der Schule und Direktor der Villa Lampe, als Englisch-Dolmetscher, warum zwei Frauen mit zwei schweren Kisten und einem großen Umschlag zu ihnen gekommen sind, und ruft damit strahlende Gesichter hervor. Eine Übergangslösung, bis alle in der deutschen Sprache fit sind, ist die: Wer Englisch kann, übersetzt Pater Meinolfs Worte für die Mitschüler in die Muttersprache. Bekanntlich wurde am 23. Januar im Theatersaal des Eichsfelder Kulturhauses das Don-Bosco-Musical „Ich lass dich nicht im Regen stehn“ aufgeführt, vom BistumsKinderJugendchor (BKJC) unter Leitung von Alexandra Oelzner, organisiert von Beate Kuhn, Referentin im Bereich Kinder- und Jugendarbeit des Bistums Erfurt.

Der Eintritt war frei, um eine Spende wurde gebeten. Und die ist bestimmt für die Freizeitbetreuung der dreißig Jugendlichen. Gemeinsames Kochen soll zum Beispiel ebenso dazu gehören wie ein Besuch der Bowlingbahn oder das Kennenlernen des Eichsfeldes. Beide haben eine 1200-Euro-Spende mitgebracht, darüber hinaus, ebenfalls aus den Spendengeldern, für jeden Schüler eine Startermappe gekauft: einen Ordner mit Schreibblöcken und Kugelschreibern. Mit Beifall bedanken sich die Jugendlichen, um gleich nach dem Verteilen die Ordner in Augenschein zu nehmen. Nun werden Stefanie Fischer und Annika Montag vorgestellt, beide im zweiten Jahr der Erzieher-Ausbildung. Sie sind die ersten Ansprechpartner als „Patinnen“; zahlreiche andere Schüler wollen ebenfalls unterstützen: in den Pausen, bei Behördengängen, in der Freizeit. Gabriele Sachse unterstreicht: „Unsere neuen Schüler sollen nicht nur frühmorgens kommen und mittags wieder gehen; wir nehmen sie auf in unsere Gemeinschaft. An unserer christlichen Schule wird Solidarität ganz groß geschrieben, wird Integration gelebt.“

Christine Bose / 10.02.16 / TLZ


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25 Jahre „Villa Lampe“: Jubiläumsjahr in Heiligenstadt eingeläutet

Heiligenstadt (Eichsfeld). Diözesanjugendpfarrer Thomas Gehlfuß ist dankbar. Das bringt er mehrfach zum Ausdruck. Er lobt am Sonntag in Heiligenstadt beim Don-Bosco-Fest die „Villa Lampe“ in den höchsten Tönen – vor 25 Jahren hat die Erfolgsgeschichte ihren Anfang genommen.

Fortan entwickelte sich die Einrichtung zu einem Anlaufpunkt für junge Menschen. Alle, die kommen wollen, sind immer gerne gesehen. Mit den Jugendlichen wird viel gearbeitet, ihnen wird aber auch Hilfe und Unterstützung dort gegeben, wo das notwendig ist. Am Sonntag haben sich beim Fest des Heiligen Johannes Bosco, er ist der Gründer des Salesianerordens, zahlreiche Eichsfelder und Gäste versammelt. Wer die Jugendeinrichtung noch nicht kannte, der konnte sich beim Tag der offenen Tür nach dem Festgottesdienst ein Bild von ihr machen. So präsentieren sich der Jugendmigrationsdienst, der Kinder- und Jugendschutzdienst, der Weiße Ringe und viele andere Organisationen und Bereiche der Villa. Eine orientalische Teestube und ein Café des „Offenen Bereiches“ – hier wurden allerdings Cocktails ausgeschenkt – gab es ebenfalls. Auf dem Außengelände beteiligte sich auch das Jugendparlament mit der Organisation einer Half Pipe am Fest.

Thomas Gehlfuß hatte am Vormittag im Gottesdienst sehr deutlich gemacht, wie wichtig die „Villa Lampe“ für das gesamte Eichsfeld geworden sei. „Ich bin sehr froh, dass es die Villa gibt. Hier und im ganzen Eichsfeld“, sagte Gehlfuß, der während der Predigt einmal den Versuch unternahm, dem Heiligen Johannes Bosco seine Stimme zu leihen. Drei Zitate aus dem Leben des Ordensgründers dienten ihm dazu als Grundlage. Gehlfuß verdeutlichte, dass es Bosco darum gegangen sein, den Jugendlichen zu begegnen und dass das für ihn der wichtigste Faktor in seiner Arbeit mit den mehreren hundert Jugendlichen gewesen ist. „Die Begegnung von Mensch zu Mensch stand an erster Stelle“, sagte Gehlfuß und übertrug das in die heutige Zeit, wo das nach wie vor gelte.

Orientierungshilfe seit 25 Jahren

Bosco habe, so Gehlfuß, den Jugendlichen in ihrem Leben eine Struktur gegeben. An dem Zitat „Liebenswürdigkeit, Nachsicht und Rücksicht sind die Schlüssel zu einem Menschenherzen“ machte Gehlfuß das deutlich. Bosco habe mit den Jugendlichen viel Geduld gebraucht, die er auch aufgebracht habe, um ihnen Orientierung zu geben. Die „Villa Lampe“ sei seit 25 Jahren in Heiligenstadt und dem Eichsfeld eine ebensolche Orientierungshilfe für die Jugendlichen, sagte Gehlfuß. Bis zum frühen Abend haben sich zahlreiche Menschen genau davon in den Räumen der Villa überzeugen können.

Fabian Klaus / 01.02.16 / TLZ


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Don-Bosco-Musical im Kulturhaus als Benefizveranstaltung

Heiligenstadt (Eichsfeld). Nahezu bis auf den letzten Platz besetzt war das Kulturhaus am Samstagabend. Anlass war die erstmalige Aufführung des Don-Bosco-Musicals mit dem Titel „Ich lass dich nicht im Regen stehen“. Unter den Besuchern waren auch zahlreiche Flüchtlinge beispielsweise aus Syrien, Albanien oder dem Kosovo.

Sie wurden teilweise sogar in ihrer Landessprache begrüßt. Organisiert hatten die Benefizveranstaltung die Villa Lampe und das Marcel-Callo-Haus. Der Eintritt war frei. Am Ende wurde um Spenden gebeten. 1300 Euro kamen zusammen, die nun für Sprachkurse und Freizeitangebote für unbegleitete junge Flüchtlinge in der Katholischen Berufsbildenden Schule St. Elisabeth genutzt werden.

Das Musical wurde vom Kinder- und Jugendchor des Bistums unter Leitung von Alexandra Oelzner aufgeführt, dazu kamen ein paar kleine Schauspieler der Heiligenstädter Propsteigemeinde sowie eine Band. Der Kinder- und Jugendchor probt nur am Wochenende und so dauerte die Vorbereitung für das Musical fast ein Jahr.

Zum Gelingen der Aufführungen in Leinefelde und Heiligenstadt trugen auch die Referenten Peter Nagler und Beate Kuhn bei. Durch ein schönes Bühnenbild, Lichteffekte und vor allem die tolle Leistung von Chor, Band und Schauspielern wurde Don Bosco auf der Bühne sehr lebendig und konnte in der heutigen Zeit Hilfe für Schwache leisten.

Tobias Schulz / 25.01.16 / TA


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